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Interaktiver Schlüssel zur Flora des
Val Rosandra
S. Dorligo della Valle / Dolina, Trieste

P.L. Nimis, S. Martellos
L. Poldini
Bilder von A. Moro

Das Rosandratal, nur wenige Minuten von Triest entfernt, bildet den einzigen Taleinschnitt des Triestner Karsts. Gerade in diesem Gebiet wurden wichtige Vorraussetzungen für einen äußerst seltenen Fall von Oberflächengewässer des italienischen Karsts geschaffen. Das Rosandratal ist vor allem als Klettergebiet und Ausflugsziel sehr beliebt. Viele sind sich bewusst, dass das Rosandratal eine reiche und interessante Flora beherbergt. Es gibt jedoch nur wenige, welche den biologischen Reichtum des Tales voll und ganz zu schätzen wissen. Dieser Naturführer möchte einen tieferen Einblick in das reiche Naturerbe des Rosandratales geben.
Das Interessengebiet befindet sich sowohl auf italienischem als auch slowenischem Hoheitsgebiet. Das bis jetzt gesammelte Wissen über die biologische Vielfalt lässt sich in wenigen Zahlen zusammenfassen: mehr als 1.000 Pilzarten, 988 Gefäßpflanzen, ca. 300 Flechten, ca. 150 Laub- und Lebermoose, ca. 100 Myxomyceten, welche zusammen ca. 2.700 Einheiten ergeben. Das Rosandratal ist ein äußerst wichtiger Speicher für die biologische Vielfalt: es verdient daher Achtung und Schutz als Weltnaturerbe.
Die Landpflanzen weisen eine hohe biologische Vielfalt sowohl in Quantität als auch in Qualität auf: Unter ihnen befinden sich viele seltene oder endemische Arten – manchmal die einzige in Italien bekannte Population – und viele andere, welche im Karst selten sind, jedoch in weiten Gebieten, wie im Mittelmehrgebiet oder in den Voralpen, beheimatet sind. Das Tal bewahrt außerdem Eigenschaften des prähistorischen Karsts: die Vegetation der Felsen und Geröllhalden, die Feuchtgebiete entlang des Flusses, die vertikalen Felswände mit Cyanobakterien. Die Landschaft des Rosandratales ist daher anders als jene des restlichen Karsts in der Umgebung von Triest. Der Zusammenhang zwischen Vegetation und anderen physischen Faktoren ist im Rosandratal weit deutlicher zu erkennen als in den Alpen, in welchen die Orographie und das Vorkommen vieler verschiedener Gesteine die Situation erschweren. Diese Einfachheit ist der recht simplen Entwicklung des Reliefs und den beiden einzigen Gesteinen, Kalk und Flysch, zu verdanken. Beim Kalkstein sind die Schichten bei den Linkshängen (M. Carso) gemäß der Hangrichtung eingebettet, während sie bei den Rechtshänge (M. Stena) dem Hang entgegengesetzt sind und eine außergewöhnliche Asymmetrie in der Vegetation vorherrscht. Auf den Linkshängen überwiegen Geröllhalden mit Heckenlandschaften, teilweise von Grasbüscheln unterbrochen, während man hingegen auf den Rechtshängen abwechselnd Wälder und vertikale Felswände mit Cyanobakterien findet. Das Heideland beherrscht die ebenen Gebiete der M. Stena. Der Flysch besitzt entgegengesetzte Eigenschaften: das Gestein ist fest und wasserundurchlässig, die Landschaft nimmt weichere Formen an, die Pflanzendecke ist dichter, die Blüte der Pflanzen ist gedämmt, in der Zeit verteilt und daher dominiert die grüne Farbe in der Landschaft. Der Kalkstein hingegen beherbergt eine unterbrochene Vegetation mit grellfarbenen Blüten, welche konzentriert und in bestimmten Zeitabschnitten vorkommen (gelbe Blüten im Frühling, rosa-violette im Herbst). Der sandige Mergel erinnert an eine ’appenninische’ Landschaft, die Kalksteine hingegen an eine ’balkanische’. Bereits Posphichal (1897) beschreibt in seinem monumentalen Werk über die Flora des damaligen österreichischen Küstengebietes die Sandsteinhügel als ’phlegmatisch’, die Gebiete mit Kalkstein als ’dramatisch’. Im Rosandratal überwiegt das Phlegmatische im oberen Teil, das Drama im unteren.

Literatur

• Nimis, P.L., Poldini L. & Martellos, S., 2006: Guide alla flora III. Guida alla flora della Val Rosandra (Trieste). Le guide di Dryades 4 - Serie Flore III (F-III). Edizioni Goliardiche, Trieste, 467 pp.